Erfüllung im Leben: Das Fulfillment in Life Model (FiL)
THE FUTURE OF LONGEVITY IS NOT MERELY ABOUT LIFESPAN, BUT ABOUT WHOLENESS, CONGRUENCE, AND WORTHWHILENESS — A FULFILLED LIFE.
Was ist ein erfülltes Leben?
“A fulfilled life refers to the positive appraisal of the person one has become, how one has led one’s life, and the impact one has made.”
(Baumann & Ruch, 2022)
Ein erfülltes Leben ist keine objektiv messbare Grösse, sondern beruht auf einer subjektiven, reflektierten Bewertung des eigenen Lebens. Menschen unterscheiden sich darin, was sie als erfüllend erleben. Dennoch zeigen unsere theoretischen und empirischen Arbeiten, dass erfüllende Lebenserfahrungen bestimmten gemeinsamen Strukturmerkmalen folgen.
In unserem Artikel The hallmark of a good life: Introducing fulfillment in life (Baumann & Ruch, 2022) stellen wir einen umfassenden theoretischen Rahmen zum Verständnis eines erfüllten Lebens.
Das Fulfillment in Life Model (FiL)
Das Fulfillment in Life Model (FiL) bietet einen theoretisch und empirisch fundierten Rahmen, um die Essenz von Erfüllung zu erfassen.
Das Fulfillment in Life Model (FiL) integriert Erkenntnisse aus philosophischen und psychologischen Traditionen in einer 3 × 3-Matrix, die das Wesen von Erfüllung systematisch beschreibt. Das Modell unterscheidet drei Quellen und drei Kriterien der Erfüllung. Ihre Kombination ergibt neun Facetten eines erfüllten Lebens.
DIE DREI QUELLEN EINES ERFÜLLTEN LEBENS
Selbst
Die Quelle Selbst bezieht sich auf die Person. Wer man als Person sein möchte. Dies umfasst Fragen der persönlichen Entwicklung und der Entfaltung eigener Potenziale. Was ist in mir angelegt? Was soll sich sich in mir als Person erfüllen?
Leben
Die Quelle Leben konzentriert sich auf die Lebensinhalte und darauf, was sich im eigenen Leben erfüllen soll. Wofür soll mein Leben stehen? Welche Ziele und Träume sind es wert, verfolgt zu werden?
Impact / Legacy
Erfüllung geht über persönliche Interessen hinaus und umfasst auch Beiträge, die anderen zugutekommen. Erfüllung entsteht auch durch den positiven Einfluss, den wir auf andere und auf die Gesellschaft haben. Was möchte ich für andere bewirken? Welche Spuren möchte ich hinterlassen?
DIE DREI KRITERIEN EINES ERFÜLLTEN LEBENS
Ganzheitlichkeit / Vollständigkeit
Erfüllung bedeutet, dass man sich zu einem zufriedenstellenden Grad verwirklichen konnte. Man hat sein Leben bewusst und in Fülle gelebt und einen positiven Unterschied im Leben anderer gemacht.
Passung (Kongruenz)
Erfüllung entsteht, wenn Leben und Selbst im Einklang sind. Es geht um die Übereinstimmung zwischen dem, was wir tun, und dem, was uns ausmacht – unseren Werten, Stärken und Überzeugungen. Ein Leben, das sich stimmig anfühlt und in dem wir uns selbst nicht fremd werden.
Wert / Bedeutsamkeit
Das, was erfüllt, wird als wertvoll und bedeutsam erlebt. Menschen investieren Zeit, Energie und Talente in etwas, das zählt – für sie selbst und für andere. Erfüllung entsteht, wenn Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden.
Diese Kriterien wirken wie Filter:
Was weder bedeutsam ist, noch zu uns passt, noch ein Gefühl von Ganzheit vermittelt, wird langfristig nicht als erfüllend erlebt.
GEFÜHLTE ERFÜLLUNG: DIE AFFEKTIVE DIMENSION
Neben der kognitiven Bewertung umfasst ein erfülltes Leben auch eine affektive Komponente. Diese ist nicht durch euphorische Hochgefühle gekennzeichnet, sondern eher durch ruhige, tiefgreifende positive Gefühle wie innere Zufriedenheit, Dankbarkeit, Einklang mit sich selbst und dem Leben sowie inneren Frieden.
Ein weiteres Merkmal der Erfüllung ist das Fehlen intensiver negativer Gefühle wie tiefer Reue, Leere oder anhaltender Enttäuschung. Aktuelle Forschungen zu Erfahrungen von Leere veranschaulichen diesen Kontrast: Die Betroffenen beschreiben Leere als ein Gefühl der Sinnlosigkeit, Selbstentfremdung und Bedeutungslosigkeit – begleitet von dem Gefühl, keinen Beitrag leisten zu können.
EIN LEBENSSPANNENORIENTIERTEN BEWERTUNGSRAHMEN
Das Fulfillment in Life Model versteht Erfüllung als Ergebnis eines lebenslangen Entwicklungsprozesses. Es erlaubt, Erfüllung nicht nur punktuell, sondern über den gesamten Lebensverlauf hinweg zu reflektieren – im Zusammenspiel von Selbst, Leben und Wirkung.
Damit bietet das Modell einen theoretisch fundierten Bezugsrahmen für Forschung zu gelingendem Leben, Wohlbefinden und gutes Altern.